MacBook Pro und moderne SATA-Festplatten

Zu meinem Artikel über den Einbau großer Festplatten im Unibody MacBook Pro, aktuell bis 1 TB, habe ich schon diverse Anfragen bekommen, es scheint ein beliebtes Thema zu sein. Heute hat Leser m. g. in einem Kommentar berichtet, daß in seinem MacBook Pro zwei solche Aufrüstungen gescheitert sind. Da das von allgemeinem Interesse für alle Aufrüstwilligen sein dürfte, habe ich meine Antwort aus dem Kommentarbereich jetzt in diesen neuen Artikel verlegt.
Solche Probleme treten wohl gelegentlich auf – allerdings nicht nur mit den 12,5 mm überhohen Festplatten ab 750 GB, sondern ganz allgemein mit aktuellen SATA-Festplatten im MacBook Pro der zweiten Unibody-Serie (Mid-2009).
Das Problem ist, daß diese Rechner von Apple nur mit der ersten SATA-Spezifikation (1,5 Gbit/s) validiert wurden, und alle werksseitig installierten Festplatten in ihrer Firmware auf 1,5 Gbit/s beschränkt sind. Als die ersten Anwender ihre Rechner durch nachträglich eingebaute SSDs aufbohren wollten, wurde das zum Engpaß, und um das allgemeine Geschrei zu dämpfen, brachte Apple schließlich das MacBook Pro EFI Firmware Update 1.7 heraus, mit dem auch SATA 3,0 Gbit/s unterstützt wird.
Leider zeigt sich, daß nicht alle MacBook Pro die höhere Taktung wirklich verkraften. Bei einigen treten mehr oder weniger häufig Übertragungsfehler auf der SATA-Schnittstelle auf, die sich früher oder später durch Abstürze oder Datenverlust bemerkbar machen. Daher teste ich jeden Rechner nach der Installation einer neuen Festplatte mit DiskTester.
Jeder Rechner reagiert anders, und die Probleme betreffen nicht einheitlich bestimmte Festplattenmodelle. Möglicherweise spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, von der Qualität der im jeweiligen Rechner verbauten SATA-Kabel bis hin zu Exemplarstreuungen irgendwelcher Bauteile auf der Hauptplatine. Genaueres weiß wohl nur Apple. Trotz allem kann man sagen: Die Probleme sind im Einzelfall gravierend, aber nur wenige Rechner sind betroffen, und die meisten Aufrüstungen verlaufen problemlos.
Das Thema wurde schon seinerzeit heftig diskutiert, als man feststellte, daß die Aufrüstung mit 500 GB Festplatten manchmal zu den gleichen Problemen führte. Im nachhinein gesehen hätte Apple die Aktualisierung auf EFI Firmware 1.7 nicht auf breiter Front anbieten sollen – man wäre besser bei Version 1.6 und seiner Beschränkung auf 1,5 Gbit/s SATA geblieben, was selbst die schnellsten aktuellen magnetischen Festplatten kaum in ihrer Übertragungsgeschwindigkeit beschneidet. (Lediglich bei den aus Flash-Speichermodulen aufgebauten SSDs sieht die Sache anders aus.)
Manche Festplatten lassen sich per Firmware-Einstellung oder Jumper auf 1,5 Gbit/s drosseln, wie es bei den damals werksseitig von Apple installierten Festplatten der Fall war. Bei der 1 TB Western Digital WD10TPVT geht das leider nicht, zumindest konnte mir auch der technische Support von WD keinen entsprechenden Hinweis geben.
Es gibt dennoch eine Lösung, zumindest für furchtlose Anwender mit MacBook Pro Mid-2009. Mit einem Apple-internen Tool kann man die Aktualisierung auf Firmware 1.7 rückgängig machen und auf Version 1.6 zurückrüsten, was die SATA-Schnittstelle auf 1,5 Gbit/s bremst und in den meisten Fällen die Probleme zuverlässig behebt.
Natürlich ist wie bei jeder Firmware-Manipulation große Vorsicht geboten, und man sollte sich genau vergewissern, daß der eigene Rechner für die Firmware-Version 1.6 tatsächlich geeignet ist. Wer nicht weiß, was er tut, sollte lieber die Finger davonlassen, weshalb ich hier auf genauere Ausführungen verzichte. Erfahrungsberichte und ein Link zum Downgrade-Tool finden sich aber in dieser Forumsdiskussion bei MacRumors.
Ein Fall ist mir immerhin schon bekannt, in dem die SATA-Fehler durch die Rückrüstung auf Firmware 1.6 dauerhaft behoben wurden.

15 Antworten zu “MacBook Pro und moderne SATA-Festplatten”

  1. raph sagt:

    hey, eine frage dazu, du sprichst von einem MBP 15″, funktioniert die Aufrüustung auch bei einem 13-Zoller ?
    merci

    • ferebee sagt:

      Überhohe Festplatten bis 12,5 mm Bauhöhe passen (vom Platz her gesehen) in alle MacBook Pro (13–17″) mit Unibody-Alugehäuse, außerdem in ältere 17″ MacBook Pro. Vgl. dazu diesen Artikel.
      Sie passen nicht in weiße MacBooks (weder in die erste Bauform noch in die aktuelle „Unibody“ Bauform) und auch nicht in das ältere 15″ MacBook-Pro-Gehäuse, das im Herbst 2008 vom Unibody-Gehäuse abgelöst wurde.

  2. m.g. sagt:

    Hallo,
    habe im August ganz vergessen mich für die fundierte Antwort zu bedanken. Ich werde in Kürze mal einen neuen Versuch mit einer Samsung Platte, der Firmware Donwgrade kommt für mich nicht in Frage. wagen… schau´ mer mal.
    Viele Grüße
    m-g-

  3. Lynn Bayer sagt:

    Bin gerade auf der Fehlersuche wieso meine neue WD10TPVT nicht funktioniert. Wollte Lion installieren was nicht ging also SL und TMBU zurückgespielt und noch mal probiert. Ging wieder nicht. Ich hab nen Unibody Late2008 mit SATA 3.0 wo ich mittlerweile denke das es daran liegt. Jetzt zeigt das FPDP aber S.M.A.R.T Ausgefallen an. Kann das auch durch die falsche Firmeware kommen oder ist da dann wirklich die Platte defekt?
    Bin über nen Tip sehr dankbar 😉

    • ferebee sagt:

      Hallo Lynn,
      S.M.A.R.T.-Status „ausgefallen“ heißt erstens, daß die Festplatte überhaupt einen Status gemeldet hat, daher funktioniert die Kommunikation zumindest grundsätzlich. Das Problem zwischen SATA 3 Gbit/s, MacBook Pro 2008 und neuerer Firmware bewirkt auch „nur“ gelegentliche Übertragungsfehler, das würde nicht als „ausgefallen“ gemeldet, denn der Status wird von der Festplatte selbst geliefert.
      Zweitens melden Festplatten erst dann „ausgefallen“, wenn wirklich alles zu spät ist. Viele Ausfälle kündigen sich bereits lange vorher an, indem in den S.M.A.R.T.-Daten z. B. die „Reallocated Sector Count“ stetig ansteigt. Leider werten die üblichen Programme diese Daten nicht aus.
      Ganz genau erfährt man den Status über den Kommandozeilenbefehl „smartctl“ aus dem Paket „smartmontools“. Dort gibt es indes nur den Quellcode, was für Nicht-Programmierer langweilig ist. Ein klickfertiges Mac-Programm gab es bei Sixty Five, Ltd., vielleicht findet man mit Google irgendwo noch einen Download der Datei, sie heißt smartctl_1.1-5.38.dmg.
      Ansonsten kannst Du Dir ein Seagate GoFlex-Adapterkabel für 2,5″-Festplatten auf FireWire kaufen. Das ist zwar für GoFlex-Festplatten gedacht, funktioniert aber auch für nackte 2,5″-SATA-Festplatten hervorragend. Wenn’s damit nicht geht, ist die Festplatte wirklich hin.

  4. Lynn Bayer sagt:

    Danke dir für die schnelle Antwort. Habe gerade die Platte über das FPDP nach dem starten von der SL DVD gelöscht, das funktioniert. Ist es normal das das löschen und einfache überschreiben mit Nullen 21h dauern soll. Kommt mir recht lange vor… Die Partition kann ich weder löschen noch eine neue anlegen. Kann auch kein SL mehr installieren, deswegen kann ich das Programm nicht installieren (hab’s auch noch nicht gesucht).
    Wenn dann muss ich es über das FireWire Kabel machen. Ich schau mal das ich da morgen eins bekomme.

  5. Joe sagt:

    das ist ja voll geil. jetzt weiss ich, weshalb die crashlogs bis zum überlaufen voll sind und der rechner macht was er will. anfang des jahres wurden bei mir 20 GB an daten gelöscht. da das mir-nichts-dir-nichts passiert ist, habe ich davon nix bemerkt und meine backups überschrieben (Timemachine 1 ging mit File Vault nicht).

  6. Joe sagt:

    und die bei Apple haben sich blöd gestellt und von mir einen nachweis für die fehlfunktion verlangt. ist natürlich nicht so einfach, wenn der fehler nicht so einfach reproduzierbar ist.

  7. vince sagt:

    Ich habe einen downgrade meiner firmware auf 1.6 vorgenommen um meine neue Momentus XT 750GB überhaupt zum laufen zu bringen.
    Soweit so gut.
    Das Problem der MBP mid 2009 Reihe soll sich auch durch den Austausch des Festplattenkabels mit einem Kabel einer späteren Baureihe beheben lassen.
    Hat jemand hier den Austausch des Festplattenkabels vorgenommen ?

  8. ferebee sagt:

    Kabeltausch ist ein interessanter und plausibler Ansatz, sofern die neueren Kabel tatsächlich ins ältere MacBook Pro passen.
    Ich hab’s nie versucht, da ich bisher keine vernünftige Lieferquelle gefunden habe – aber vielleicht haben die einschlägigen eBay-Händler auch diese Kabel mittlerweile im Programm.
    Wenn jemand damit schon Erfolg hatte: bitte berichten!

  9. vince sagt:

    Ich war bei diesem Apple-Partner, der auch bereit war mir das Kabel direkt von Apple zu bestellen (ca 20-30€), einbauen wollten sie es aber in keinem Fall, da sonst eine Garantie auf den Einbau gegeben werden müsste…
    […Link entfernt, siehe meinen späteren Kommmentar… — Chris Ferebee]
    in diesem Forum haben anscheinend Leute erfolgreich den Austausch durchgeführt ( siehe Post #713 und folgende)
    http://forums.macrumors.com/showthread.php?t=729883&page=29
    den downgrade auf firmware 1.6 habe ich nach dieser Anleitung erreicht
    http://forums.macrumors.com/showpost.php?p=13915069&postcount=708

  10. vince sagt:

    … Der Techniker des Ladens hatte mehrere Kabel vor Ort, die er mir auch zeigen konnte.
    Unterschiede liessen sich äusserlich erstmal keine feststellen, einzig die Übertragungsleistung der Kabel ab 2010 müsste besser sein und SATA 3 unterstützen.
    MBP mid 2009
    http://www.ifixit.com/Guide/Installing-MacBook-Pro-15-Inch-Unibody-Mid-2009-Hard-Drive-Cable/1716/1
    MBP mid 2010
    http://www.ifixit.com/Guide/Installing-MacBook-Pro-15-Inch-Unibody-Mid-2010-Hard-Drive-IR-Sensor-Cable/3031/1

    • ferebee sagt:

      Wenn Du das Kabel bekommen hast, umso besser! Ich habe den Verweis auf Deinen Händler im vorigen Posting aber entfernt, denn eigentlich dürfen autorisierte Apple-Servicepartner grundsätzlich keine Ersatzteile verkaufen, sondern müssen sie immer auch selbst verbauen. Zuwiderhandlung kann mit dem Entzug der Autorisierung geahndet werden, das habe ich selbst vor vielen Jahren bei einem Lieferanten mitbekommen, der uns immer kulant mit Ersatzteilen versorgt hatte. Nicht, daß Dein Händler deswegen jetzt am Ende Ärger bekommt.
      Vielleicht sind Kabel nicht so streng reglementiert, aber Apple ist in solchen Dingen eigentlich rigoros.
      Die Teile bei iFixit sind meistens „gebraucht“, d. h. aus defekten Geräten ausgeschlachtet und getestet. Daher sind gefragte Teile dort manchmal durchaus teuerer als der offizielle Apple-Preis für ein neues Ersatzteil.

  11. Rene sagt:

    Hallo,
    ich muss diesen Thread noch einmal ansprechen.
    Sind auch Probleme der Mid-2009 Serie mit SSDs bekannt? Ich konnte ca. 3 Monate ohne Probleme mit einer Samsung 830 256GB arbeiten. Plötzlich kann diese Festplatte nicht mehr booten, solange sie intern eingebaut ist. Extern (über USB oder Firewire) bootet die Platte noch. Die originale Platte bootet auch intern noch. Kann das am Kabel liegen?
    Danke
    Rene

    • ferebee sagt:

      Das Problem ist SATA II mit der höheren 3 Gbit/s Übertragungsrate, ob mechanische Festplatte oder SSD spielt keine Rolle. Ich würde es in der Tat mit einem 2010er Kabel probieren, wie in den anderen Kommentaren beschrieben.
      Apple dürfte das Problem mittlerweile genau kennen. Vielleicht würde man Dir im Apple Store sogar unkompliziert ein neues Kabel einbauen – ein Versuch wäre es wert.
      Natürlich mußt Du Dich fragen, ob durch die zwischenzeitlich aufgetretenen Übertragungsfehler Daten auf der SSD beschädigt wurden. Wenn Du kannst, würde ich z. B. Bildarchive überprüfen, ZIP-Dateien testweise auspacken und auch das Betriebssystem über das vorhandene neu installieren – oder zumindest das letzte Combo-Update für Dein Betriebssystem erneut aufspielen.

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